Interim Management vs. Festanstellung

Eine wirtschaftliche Gegenüberstellung unter Einbeziehung der Cost of Vacancy

Unternehmen vergleichen beim Thema Interim Management häufig Tagessätze mit Bruttogehältern.
Diese Gegenüberstellung greift jedoch zu kurz und führt in vielen Fällen zu falschen wirtschaftlichen Entscheidungen.

Eine belastbare Bewertung muss Gesamtkosten, Zeitfaktoren und vor allem die Kosten einer Vakanz (Cost of Vacancy) berücksichtigen. Genau hier zeigt sich, dass der vermeintlich „teure“ Interim Manager in vielen Situationen die wirtschaftlichere Lösung ist.

1. Direkter Kostenvergleich: Warum Bruttogehalt nicht die richtige Vergleichsgröße ist

Der häufigste Denkfehler:
Interim-Tagessatz ≠ Bruttogehalt eines Festangestellten

Unternehmen tragen bei einer Festanstellung deutlich mehr Kosten als das reine Jahresgehalt.

Gesamtkostenvergleich (Beispielrechnung)

KostenfaktorFestanstellung (Beispiel 120.000 €)Interim Management (Beispiel)
Bruttojahresgehalt120.000 €
Lohnnebenkosten (~20 %)24.000 €enthalten
Boni / Tantiemen (~15 %)18.000 €enthalten
Lohnfortzahlung (Urlaub/Krankheit, ca. 35–40 Tage)ca. 15.000 €0 €
Sonderleistungen (Dienstwagen, Versicherungen etc.)ca. 12.000 €enthalten
Infrastruktur & Verwaltungca. 5.000 €enthalten
Gesamtkosten pro Jahr≈ 194.000 €
Effektive Arbeitstageca. 210 Tageflexibel nach Bedarf
Kosten pro Arbeitstag≈ 924 €≈ 1.200–1.800 €

Einordnung

Der Tagessatz eines Interim Managers liegt 30 bis 60 % über dem rechnerischen Tageskostensatz einer Festanstellung.
Der Grund: Der Interim Manager trägt soziale Absicherung, Ausfallzeiten, Akquisitionsrisiken und Weiterbildungskosten selbst.

Für das Unternehmen gilt im Gegenzug:

  • Zahlung nur für tatsächlich geleistete Arbeit
  • keine Fixkosten
  • keine langfristigen Verpflichtungen

2. Rekrutierungs- und Onboarding-Kosten: Der unterschätzte Kostenblock

Die Kosten einer Festanstellung entstehen nicht erst mit dem ersten Arbeitstag.

Festanstellung (Executive Search / Direktansprache)

  • Beraterhonorare:
    Üblich sind 25 bis 35 % des Bruttojahreszielgehalts
    → bei 120.000 €: 30.000 bis 42.000 €
  • Interne Prozesskosten:
    Zeitaufwand von HR, Geschäftsführung und Fachbereich (20 – 40 Stunden)
  • Onboarding-Verlust:
    Eingeschränkte Produktivität in den ersten 3 – 6 Monaten
  • Fehlbesetzungsrisiko:
    Studien beziffern die Kosten einer Fehlbesetzung auf das 1,5- bis 2,5-fache des Jahresgehalts

Interim Management

  • Vermittlungskosten:
    Meist im Tagessatz enthalten oder als einmalige, deutlich niedrigere Gebühr
  • Verfügbarkeit:
    Einsatzbereit in 5 – 10 Tagen statt 6 – 9 Monaten
  • Produktivität:
    Interim Manager sind auf „Instant Impact“ ausgelegt und nach wenigen Tagen voll arbeitsfähig

Ergebnis:
Während bei der Festanstellung hohe Vorlauf- und Risikokosten entstehen, beginnt der wirtschaftliche Nutzen beim Interim Management sofort.

3. Die unsichtbare Kostenfalle: Cost of Vacancy (Vakanzkosten)

Die teuerste Option ist oft weder Interim Management noch Festanstellung, sondern Nichtstun.

Berechnung der Cost of Vacancy (CoV)

Formel:
CoV = (Jahresgehalt / Arbeitstage) × Vakanzdauer (Tage) × Wichtigkeitsfaktor

Der Wichtigkeitsfaktor liegt bei Führungs- und Schlüsselpositionen typischerweise zwischen 2,0 und 3,0.

Beispielrechnung

  • Jahresgehalt: 120.000 €
  • Arbeitstage: 250 → 480 € pro Tag
  • Vakanzdauer: 6 Monate ≈ 125 Arbeitstage
  • Wichtigkeitsfaktor: 3 (Managementfunktion)

Täglicher Schaden:
480 € × 3 = 1.440 €

Gesamtschaden der Vakanz:
1.440 € × 125 Tage = 180.000 €

Mehr als ein volles Jahresgehalt ohne Mehrwert.

4. Qualitative Opportunitätskosten: Was Zahlen allein nicht zeigen

Neben den quantifizierbaren Kosten entstehen weitere, oft gravierendere Effekte:

  • Know-how-Verlust:
    Projekte verzögern sich oder scheitern vollständig
  • Überlastung & Fluktuation:
    Schlüsselpersonen kompensieren dauerhaft die Vakanz
  • Reputationsschäden:
    Kunden bemerken Entscheidungsstau und fehlende Führung
  • Innovationsstopp:
    Strategische Themen werden zugunsten des Tagesgeschäfts vertagt

Diese Effekte lassen sich kaum exakt beziffern, wirken aber langfristig deutlich teurer.

5. Wirtschaftliche Einordnung: Wann lohnt sich welche Lösung?

KriteriumInterim ManagementFestanstellung
Geschwindigkeitsehr hoch (1 bis 2 Wochen)niedrig (4 bis 9 Monate)
FlexibilitätKündigungsfristen oft < 14 Tagegesetzlicher Kündigungsschutz
Fixkostenkeinedauerhaft
Know-howexterne Best Practicesinternes Wissen
Wirtschaftlichkeitideal bei Projekten & Vakanzüberbrückungsinnvoll bei Stabilität > 18 Monate

 

Strategische Empfehlung

Sobald die Besetzung einer Festanstellung länger als drei Monate dauert, amortisiert sich ein Interim Manager allein durch die Vermeidung der Cost of Vacancy.

Der höhere Tagessatz ist keine Mehrkostenposition, sondern eine Versicherung gegen Stillstand, Entscheidungsverzug und Folgeschäden. Interim Management ist damit kein Ersatz für Festanstellung, sondern ein wirtschaftlich rationales Instrument, wenn Zeit, Stabilität und Ergebnis zählen.

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